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Hans-Werner

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Sonntag, 31. Juli 2016, 01:16

Untersuchung zur Verarbeitung des Seheindruckes im Gehirn bei Achromatopsie

Prof. Dr. Barbara Käsmann-Kellner, Augenärztin, Univ.Augenklinik Homburg/Saar und Prof. Dr. Michael Hoffmann, Neurowissenschaftler an der Universität Magdeburg planen eine Studie zur Verarbeitung des Seheindruckes im Gehirn bei Achromatopsie-Betroffenen. Die KOOPERATIONSSTUDIE der Universitäten HOMBURG und MAGDEBURG wird vom Achromatopsie Selbsthilfe e.V. unterstützt.
Wer an einer Teilnahme interessiert ist, der findet einen Anmeldebogen in der Anlage.


Prof. Dr. Barbara Käsmann-Kellner und Prof. Dr. Michael Hoffmann schreiben in einem Patientenaufruf:

Wie sich einige von Ihnen sicher erinnern, haben wir vor einigen Jahren in Homburg bereits eine erste Studie zu dieser Thematik durchgeführt, deren Ergebnisse erste Hinweise darauf zeigten, dass die Farbenverarbeitung (bzw. die Verknüpfung der Grauwerte, in denen der achromate Patient „Farben“ wahrnimmt, mit den Farbbezeichnungen, die Normalsichtige verwenden) weit komplexer im Gehirn abläuft als wir das zunächst vermutet hatten.
Als erste Ergebnisse der damaligen Studie habe ich Ihnen einen Artikel hochgeladen: „Neuroimaging der Farb- und Raumwahrnehmung“, den Sie unter folgendem Link herunterladen können:

https://app.box.com/kernspin-farbe

Zum Zeitpunkt der damaligen Studie gab es verschiedene technische Möglichkeiten der Auswertung von Kernspinbildern noch nicht, die jetzt verfügbar sind und die unsere Fragestellungen nach der Verarbeitung von Farbinformationen bei Achromatopsie noch genauer beantworten können. Zudem verfügt Prof. Hoffmann über ein Untersuchungsgerät mit deutlich höherer Auflösung als es das Gerät in unserer damaligen Studie war.
Wir rufen daher hier auf, dass sich diejenigen melden mögen, die an solch einer Untersuchung erstmals oder erneut Interesse hätten. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch hier wieder etliche von Ihnen Interesse an der Teilnahme an der Studie hätten – auch die Personen, die bei der letzten Untersuchung teilgenommen haben, sind erneut herzlich eingeladen, hier würden wir durch den Vergleich mit den Bildern der damaligen Studie auch sehen können, was die höhere Genauigkeit des Gerätes tatsächlich bei Achromaten exakter abbilden kann.

Was sind die Fragestellungen dieser Studie?
„Sehen“ geschieht an 2 Stellen: Das Auge nimmt den optischen Sehreiz auf, wandelt ihn um in elektrische Signale, und diese werden dann im Gehirn in verschiedenen Arealen verarbeitet und gelangen so in unser Bewusstsein. Ohne das Seh-Gehirn, welches in unserem Hinterkopf liegt, könnten wir Gesehenes nicht erkennen, nicht erfassen und begreifen, es würde uns nicht ins Bewusstsein gelangen.
Das eigentliche Begreifen des Sehens geschieht also im Gehirn, nachdem das Auge die optischen Reize in vom Gehirn verwertbare elektrische Signale umgewandelt hat, und nachdem das Signal des Sehreizes entlang der sog. Sehbahn quer durch den Kopf von den Augen bis zum Hinterhaupt gelaufen ist. Wie Sie ja wissen, ist bei von Achromatopsie Betroffenen das Zapfensehen (Farben, Details) vollständig ausgefallen, so dass die Sehwelt nur über das Stäbchensehen (Nachtsicht, Grauschattierungen, Kontraste) wahrgenommen wird.

Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat kürzlich drei Betroffene untersucht und gezeigt, dass sich die Sehrinde des Gehirns an diese Veränderung des Sehprozesses anpasst. Wir möchten jetzt in dem Kooperationsprojekt mit der Universitäts-Augenklinik Magdeburg genauer klären,
- welche Bereiche der Sehrinde genau diese Anpassung betrifft.
- ob diese Anpassungen auch das Stäbchensehen der Betroffenen verbessern, ob es also aufgrund des angeborenen Fehlens des Zapfensystems dazu kommt, dass bei Achromaten das Stäbchensystem besser als bei Normalfarbensehenden funktioniert
- bei welchen Betroffenen diese Anpassung auftritt, ob es zum Beispiel von der zugrundeliegenden genetischen Veränderung abhängt, oder ob es sich bei allen Betroffenen findet.

Da die Beobachtung in der amerikanische Studie mit drei Personen als Einzelfall-Beobachtung anzusehen ist, wäre es sehr hilfreich, wenn sich möglichst viele von Ihnen zur Teilnahme an der Studie entscheiden, um klare Aussagen machen zu können. Durch die Teilnahme an diesem Projekt entstehen Ihnen in gesundheitlicher Hinsicht selbstverständlich keine Nachteile, allerdings wird Ihr Sehen dadurch auch nicht verbessert werden. Sie haben aber die Möglichkeit, mit neuesten Technologien etwas über Ihr Sehen und über Ihr Gehirn zu erfahren – und eventuell andere Betroffene zu treffen, was ja bei der Homburger Untersuchung vor einigen Jahren ein für viele schöner Nebeneffekt war.

Man muss eine solche Untersuchung als Grundlagenforschung verstehen - denkbar wäre später eventuell eine Umsetzung im Bereich der Hilfsmittel: Entwicklung von individuellen Hilfsmitteln speziell für Achromaten unter Ausnutzung der Gehirnbesonderheiten

Bewertung der geplanten Studie durch die Ethikkommission für medizinische Forschung
Das Konzept zur Studie wurde bereits der Ethikkommission der Universität Magdeburg vorgelegt und von ihr ohne Einschränkungen positiv beurteilt. Die bei der Studie genutzten Untersuchungen sind nicht-invasiv, das heißt, sie fügen dem Körper keinen Schaden oder Verletzungen zu, und es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Im Umgang mit den studienbezogenen Daten der Versuchspersonen werden die strengen Datenschutzbestimmungen eingehalten.

Wer kann bei der Forschungsstudie teilnehmen? 
-> Die Teilnehmer müssen mindestens 12 Jahre alt sein (Elterliches Einverständnis!). 
-> Bei Implantaten / Prothesen im Körper bitte Prof. Hoffmann fragen – oft geht es auch damit 
-> Personen mit Epilepsie können nicht untersucht werden.

Wo und wann werden die Untersuchungen erfolgen?
Die Untersuchungen werden in der Universitäts-Augenklinik Magdeburg durchgeführt werden, da das Team dort mit der neuesten Technik hier arbeitet.
Reise- und ggf. Übernachtungskosten werden selbstverständlich erstattet.

Geplant sind folgende Untersuchungen:
 EEG-Messung („EKG von Gehirn & Auge“) 
Um die elektrischen Signale zu messen, die im Gehirn beim Sehen entstehen, werden Elektroden mit einer Paste in Kontakt zur Kopfhaut gebracht und Bilderfolgen auf einem Monitor gezeigt.  Während Sie auf den Monitor mit den Bildern schauen, werden – ohne dass Sie etwas davon bemerken – die Gehirnströme abgeleitet. 
Kernspintomographie 
Mit dieser Technik ist es uns möglich, die Aktivität Ihres Gehirns während des Seh- und Wahrnehmungsvorgangs in „Schnittbildern“ zu beobachten. 
Manche kennen die Untersuchung als die „Untersuchung in der Röhre“ – hier unterscheidet man die Computertomographie (CT, mit Röntgenstrahlen) und die Kernspinuntersuchung, die auf der Messung magnetischer Veränderungen beruht und – anders als das CT – keinerlei Strahlenbelastung aufweist.
 Wahrnehmungstests 
Sie bekommen erneut Abbildungen auf einem Monitor vorgespielt, die von verschiedenen Personen unterschiedlich wahrgenommen werden.
Diese Wahrnehmungstests werden auch während der Kernspinuntersuchung durchgeführt. Sie teilen Ihre Wahrnehmung der Abbildungen durch einen Knopfdruck dem Versuchsleiter mit.
Augenärztliche Untersuchung 
Zur Bestimmung des aktuellen ophthalmologischen Status kann es notwendig sein, eine augenärztliche Untersuchung durchzuführen. 
Für Betroffene, die bei mir in Homburg in Betreuung sind, wird dieser Punkt entfallen, da wir ja Ihre aktuellen Befunde vorliegen haben.
 Molekulargenetische Untersuchung 
Bei Personen, die noch keine genetische Analyse durchgeführt haben, wird – sofern Sie einverstanden sind – im Rahmen der Studie und somit kostenfrei für Sie Blut zur genetischen Analyse abgenommen, die freundlicherweise ebenfalls in Magdeburg / Humangenetik erfolgen wird. Das Ergebnis der Gen-Untersuchung wird Ihnen noch vor den Ergebnissen der Studie mitgeteilt. 
Es wäre wichtig für die Studie, daß die Betroffenen, die bereits eine Genanalyse hatten, das Ergebnis mitbringen oder uns gestatten, es in Tübingen oder an anderer untersuchender Stelle abzurufen.

HABEN SIE WEITERE FRAGEN? MÖCHTEN SIE MIT IHRER TEILNAHME DIE FORSCHUNG ZUR ACHROMATOPSIE WEITER VORANBRINGEN?

Für Fragen steht Professor Dr. Hoffmann von der Universitäts-Augenklinik Magdeburg gerne zur Verfügung. Er würde sich freuen, wenn Sie bei Interesse den ANTWORTBOGEN an ihn senden (auch als Fax an 0391-67 13570) oder per Mail (michael.hoffmann@med.ovgu.de) bzw. telephonisch (0391-67 13585) mit ihm in Kontakt treten.
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